Bild mit vier weiblichen Jugendlichen

Ohne Digitales geht’s nicht mehr: Großes Interesse am ersten JMD Digital Camp

Digitales Arbeiten berührt viele der täglichen Aufgaben der Jugendmigrationsdienste. Dass auch das Interesse der JMD-Mitarbeitenden sehr groß ist am Thema Digitalisierung, bewies die erste Auflage des JMD Digital Camps im Mai 2022. Fünf Tage lang ging es bei dieser Workshopreihe vor allem um die Frage, wie aus verschiedenen Perspektiven die Angebote der Jugendmigrationsdienste digital gestaltet werden können.

Prof. Dr. Robert Lehmann sprach über das Thema Blended Counseling.

Eröffnet wurde das Digital Camp mit dem Workshop von Prof. Dr. Robert Lehmann, dem wissenschaftlichen Leiter des Instituts für E-Beratung der Technischen Hochschule Nürnberg, zum Thema Blended Counseling. Professor Lehmann zeigte mit vielen Beispielen auf, wie die Beratung von der Face-to-Face-Beratung in die Online-Beratung übergehen kann und umgekehrt. Die digitale Beratung gibt es natürlich nicht erst seit Corona, aber sie ist mit Corona stärker in den Fokus gerückt. Zur digitalen Beratung gehört neben Mail, Forum und Chat auch die Videoberatung, die insbesondere in Zeiten von Corona einen Boom erlebt.

Für manche Beraterinnen und Berater ist es jedoch noch eine Hürde online, insbesondere textbasiert, zu beraten. Bestimmte Sinneseindrücke, die es in der Face-to-Face-Beratung gibt, entfallen. Wie in einem Dunkelrestaurant kann das aber auch die Möglichkeit eröffnen, andere Sinne zu schärfen. Mit dem Blick auf die Kompetenzen der Beraterinnen und Berater ist die Videoberatung tatsächlich die bessere Alternative in Zeiten von Corona geworden.

Jugendliche werden durch digitale Beratung gut erreicht

In der Migrationsberatung bietet sich außerdem die Chatberatung an. Sie wird insbesondere gerne von Menschen mit geringerer Schriftkompetenz genutzt, weil es dort weniger auf Formalität ankommt. Beim Blended Counseling müssen nicht alle Kanäle optimal bespielt werden. Die Auswahl der Settings hängt ab von den Kompetenzen der Mitarbeitenden und der Lust, Neues auszuprobieren. So ist Digital Streetwork ein relativ neuer Zweig im Bereich des Blended Counseling, der sich noch entwickelt. Der Workshop zu diesem Thema gab die Möglichkeit, die eigene Arbeit zu hinterfragen: Wie passt die Arbeit der JMD mit der aktuellen Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen zusammen?

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Distanz zu groß geworden ist und besser geschaut werden muss, wo die Jugendlichen erreicht werden können. Anhand praktischer Beispiele lernten sie, wie sie in den digitalen Netzwerken die richtigen Gruppen finden und junge Menschen ansprechen können. Teilnehmende des Digital Camps merkten an: „Wir sind an unserem Standort nicht gut zu erreichen und sehen einen großen Vorteil in der digitalen Beratung.“ Wichtig sei dabei die sichere Webmailberatung, denn per E-Mail zu beraten, sei ja nicht datenschutzsicher.

Positives Fazit

Aber was genau sind die Tricks und Tipps im Umgang mit den Datenschutz-Richtlinien, vor allem mit Blick auf die virtuelle Beratung? Was mache ich, wenn mich ein Ratsuchender auf dem Instagram-Kanal um Unterstützung bittet? Welche Tools darf ich nutzen und wie gehe ich damit um? Antworten auf diese und andere Fragen lieferte der Rechtsanwalt Fabian Brandenburger, Experte für Informations- und Datenschutz, der während des Digital Camps zwei Stunden lang Frage um Frage beantwortete.

Ein weiteres zentrales Thema des Digital Camps waren soziale Medien. Auch hier ging es um die Frage, ob und wo die Jugendlichen dort unterwegs sind und wie passender Content geplant werden kann, um sie zu erreichen. Es wurde deutlich, dass es in diesem Bereich viel Potential gibt, die Zielgruppe der Jugendmigrationsdienste zu erreichen.

Nach fünf Tagen intensiver Arbeit und Diskussionen nehmen die Teilnehmenden viele wertvolle Impulse für ihre Arbeit mit. Die Aufgeschlossenheit vieler JMD-Mitarbeitenden für Digitalisierung war im Digital Camp klar ersichtlich, jedoch auch der Bedarf nach mehr Informationen und Austausch zum Thema. So waren sich am Ende alle Beteiligten einig: Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und motiviert dazu, solche oder ähnliche Formate in Zukunft verstärkt anzubieten.

Text und Bilder: Servicebüro Jugendmigrationsdienste